Schulung vom 16. April 2026

Transformation am Beispiel des italienischen Autozulieferers GKN

Den Arbeiter:innen des Automobilzulieferers GKN drohten Entlassungen, worauf sie mit einer «Assemblea permanente» (dt. Dauerversammlung) reagierten. Ausgehend von ihrem Know-how und gemeinsam mit Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaftler:innen entwickelten sie einen Plan für eine alternative Produktion. Wo früher Antriebswellen für Autos produziert wurden, sollen zukünftig Lastenräder (Cargo Bike) und Solarpanels hergestellt werden. In der Schulung berichteten die Protagonisten über die technische Umsetzung.

Gespräch mit Leonard Mazzone, Forscher an der Università di Firenze und Koordinator der Reindustrialisierungsgruppe, und Dario Salvetti, Fabrikarbeiter und Mitglied des Collettivo di Fabbrica GKN.
Moderiert von Mattia Lento, Journalist bei area.

Grundlagen

Leonard Mazzone stellte den Reindustrialisierungsplan der GKN-Fabrik vor. Ein Jahr nach der Kündigungsmail schloss sich das Fabrikkollektiv mit Fachleuten zusammen, um das Projekt wissenschaftlich zu begleiten. Ein erster Ansatz, weiterhin Antriebswellen zu produzieren, scheiterte an fehlender öffentlicher Beteiligung.

Ab 2023 verlagerte sich der Fokus auf Photovoltaik (PV). Mit der Gründung der Genossenschaft GKN for Future (GFF) wurde eine Rechtspersönlichkeit geschaffen, um Startkapital zu verwalten, das zunächst über ein Crowdfunding aufgebaut wurde. In Zusammenarbeit mit der spanischen Firma Mondragon wurde eine Marktlücke im PV-Markt identifiziert: Spezialanfertigungen und gebäudeintegrierte Photovoltaik (BIPV), z.B. für denkmalgeschützte Gebäude. Zusätzlich wurde die Produktion von Lastenfahrrädern evaluiert.

Anfang 2024 folgten Finanzierungszusagen der Banca Etica sowie Vorverträge mit Energiegemeinschaften. Nach einer intensiven Prüfung sagte die Banca Etica im Juni 2025 einen Kredit von 2,5 Mio. Euro zu. Gleichzeitig gab es politische Auseinandersetzungen um die Nutzung des Standorts, die in einem lokalen Gesetz mündeten, das im Dezember 2025 verabschiedet wurde.

Die Schwerpunkte des neuen Projekts

Bereits getätigte Vorbestellungen von monokristallinen Solarpanels mit über 26 MW Leistung würden im ersten Jahr 62 % der Produktionskapazität auslasten. Das Layout der Produktionslinie muss dazu vollständig umgebaut und neue Maschinen angeschafft werden.

Neben der Produktion sollen auch Installation, Recycling und Wiederverwertung von Solarpanels Teil des Projekts sein. Es handelt sich um einen Bereich mit noch wenig Konkurrenz in Italien, obwohl sich in den kommenden Jahren ein grosser Bedarf abzeichnet.  Die recycelten Materialien fliessen wieder in die Produktion der Panels ein. Eine eigenständige Installation der Panels vervollständigt den Prozess.

Ergänzt wird das Projekt durch die Entwicklung von Lastenrädern, darunter Prototypen mit elektrischer Unterstützung für Lieferdienste.

Sozio-ökonomische Auswirkungen

Der Break-Even Punkt, also der Punkt wo die Ausgaben für die Produktion zum ersten Mal durch die Einnahmen durch die Produkte gedeckt werden, soll bei 60% Auslastung im zweiten Jahr erreicht werden.

Der Grossteil der Einnahmen wird aus der PV-Produktion erwartet. Insgesamt sollen 109 Personen beschäftigt werden, rund 50 davon in der Produktion. Nach dem Ausstieg eines Grossinvestors liegt der Fokus aktuell erneut auf Crowdfunding.

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